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Swiss Genealogy (Lake Zurich, Switzerland)

Bruppacher, Brupbacher, Brubaker

Ursprünglich BRUGBACH oder BRUGGBACH nach dem 'Bach mit Brücke'

Dieser Bach mit Brücke, der Bruggbach, heisst heute Chappelibach und ist der oberste Teil vom Erlenbacher-Tobel. Die Brücke ist Teil der alten Landstrasse von Küsnacht her zu der Hochebene. Bereits in der römischen Zeit [ab dem Jahr 15 bis ca. 400] bestand vermutlich eine regionale Verbindung zwischen der römischen Zollstation Turicum [Zürich] und dem ehemaligen römischen CentumPrata durch einen Höhenweg über Zollikon-Küsnacht-Allmend-Breitwil-Wetzwil in direkter Linie nach Kempraten. Dieser Römerweg erlangte später als Kirchweg der Wetzwiler eine gewisse Bedeutung, denn Wetzwil war bis 1630 nach Küsnacht kirchenpflichtig. Nahe der Brücke befand sich im Mittelalter ein Wegheiligtum, vielleicht sogar eine kleine Wegkapelle. Der Bruggbach heisst seit dieser Zeit Chappelibach und die Gegend beidseits des Baches Chappeli; die alte Landstrasse wurde zur Kappelistrasse. (Quelle: Erlenbach, Geschichte einer Zürichseegemeinde, von Karl Kuprecht, Walter Imhof. Herausgegeben vom Gemeinderat Erlenbach, 1981).

Hier bei dieser Brücke wird 1333 erstmals wird ein "Heinrich Brugbach und sin swester" bezeugt auf der Mühle Breitwil, heute Kittenmühle genannt.

Bruggbach
The Chappeli-Bach today was called formerly Brugg-Bach. Map coordinates 47.303628,8.608656

Kommt der Familien-Name Brugbach-Bruppacher anfangs im 14. Jahrhundert nur bei Erlenbach-Herrliberg und Umgebung vor, verbreitet er sich bald in weitere Gemeinden des Bezirk Meilen und um 1530 auch auf die gegenüber liegende Seeseite in Wädenswil, wo er später besonders stark vertreten ist.

Zürcher Familiennamen: Brupbacher «Bruppacher»
Entstehung, Verbreitung und Bedeutung der Namen alteingesessener Zürcher Familien

  • 1333 Breitwil, Heinrich Brugbach und sin swester 1, Grundbesitzer 8
  • 1397 Ruodolf Brugpach von Breitwil 2
  • 1417 Küsnacht, R. Bruggbach 1
  • 1437 Hanns Bruggbach von Breitwil 3
  • 1452 Jäckli (Jakob) Brugbach von Breitwil 4
  • 1497 Hans Bruppacher von Breitwil, Pfleger der St. Bartholomäus-Kapelle 5
  • 1509 Mühle Breitwil, Bruppacher 6
  • 1531 Bruggbach Welti von Küsnacht † Schlacht bei Kappel 7
  • 1552 Wädenswil, Hans Bruppach 1
  • 1598 Meilen, Heinrich Bruppacher 1
  • 1620 Hirzel, Michael Bruppacher 1
  • 1630 Horgen, Michael Bruppacher 1
  • 1705 Üetikon am See, Hans Jakob Bruppacher 1
  • 1712 Schönenberg, Hans Jakob Bruppacher von Hirzel 1
  • 1780 Uster, Jakob Bruppacher von Ober-Uster 1
Quellen:

1 Zürcher Familiennamen; von Viktor Schobinger, Alfred Egli, Hans Kläui.
2 Staatsarchiv Zürich, Regest: URStAZH, Bd. 3, Nr. 4002
3 Staatsarchiv Zürich, Regest: URStAZH, Bd. 6, Nr. 8069
4 Staatsarchiv Zürich, Regest: URStAZH, Bd. 7, Nr. 9735
5 Die Gotteshäuser der Schweiz: Historisch-antiquarische Forschungen, von Arnold Nüscheler
6 Kleine Kittenmühlegeschichte, von Pius Rüdisüli
7 Die Schlacht von Cappel 1531, von Emil Egli
8 Urbare und Rödel der Stadt und Landschaft Zürich: Von den Anfängen bis 1336, von Werner Schnyder

Im Verzeichnis 'Zürcher Ehedaten 16.-17. Jahrhundert, Staatsarchiv Zürich' werden bis gegen 1600 die meisten Bruppacher noch zusätzlich mit dem Namen Brugbach erfasst. Bruppacher im Hasenacher erscheinen bei den Ehedaten erst im 17. Jahrhundert '1620 Vreni Brudtpacheri us dem Hasenacker'.

Bruppacher Breitwil

Gyger-Karte von 1667, in der Mitte Breitweil (= Breitwil/Kittenmühle)
oben der Hof Hasenacher welcher von Bruppacher bewirtschaftet wurde



Die Mühle Breitwil

Wann die Kornmühle gebaut wurde, ist nicht bekannt. Urkundlich erwähnt wird sie erstmals 1150 als Preitewilare = Breitwil. Der Wortteil *-wil bezeugt die Besiedelung dieser Hochebene ab dem 6. Jahrhundert entlang der alten Strasse durch Allamannen, vermutlich der Beata-Landolt-Sippe zugehörig. 1324 erhielt der Zürcher Ritter Götz I. Mülner (Burg Friedberg bei Meilen) vom Freiherren Heinrich von Eschenbach-Schwarzenberg den Hof Breitwil oberhalb Erlenbach. 1390 kaufte der reiche Zürcher Bürger und Junker Jakob Bletscher die Burg Friedberg mit der Vogtei über Breitwil. 1417 gelangte Breitwil unter die Hoheit der Stadt Zürich.

Als betreibende Müller erscheinen in Urkunden: 1389 Conrad Müller, 1509 ein Bruppacher, 1550 Thomas Reithaar, 1568 verkaufte Sennhuser an Heinrich Doner, 1571 Hans Fierz. Zu ihrem heutigen Namen Kittenmühle kam die Mühle durch den vornehmen Städter Heinrich Kitt, der sie 1660 nach dem Konkurs des verstorbenen Hans Fiertz erwarb und als Handlehen der Witwe Fierz übertrug zum Weiterbetrieb.

 

Hochebene Herrliberg-Wetzwil
Blick von der Hochebene Herrliberg-Wetzwil über den Zürichsee

 

Im Jahr 2012 werden in der Gegend von Zürich noch zwei weitere mit Bruppach benannte geografische Orte im offiziellen Adressverzeichnis aufgeführt (Bruggbach muss keinen genealogischen Zusammenhang mit dem Familiennamen Bruppacher haben, sondern kann lediglich auf einen einst vorhandenen Brugg-Bach hinweisen):

Bruppachstrasse, 8413 Neftenbach bei Winterthur

In der weiteren Umgebung von Zürich erscheint Bruppach zuerst als historische Lage vom Rebberg in Neftenbach bei Winterthur, wo das Kloster Reichenau im 12. Jahrhundert einen Weinanbau-Besitz mit 12 Trotten hatte. Vom Schloss Wart her nach der Brücke über den Tobelbach [Bruggbach] zu erreichen.

1322 veräussert der Freie Jakob von Wart nebst anderem zwei Weingärten zu Neftenbach, genannt Bruggbach und Klingenberg, was alles Lehen vom Kloster Reichenau [Richenow] waren, an den Ritter Johannes Truchsäss von Diessenhofen, genannt Brak.

Bruppach Neftenbach © weinlandnet.ch
Blick vom Bruppach Richtung Tobelbach [Bruggbach] mit unten rechts Brücke und links Schloss Wart im Hintergrund


Bruppacherstrasse, 8815 Horgenberg bei Horgen

Eine weitere mit Bruppach bezeichnete Flur auf dem Horgenberg hat keinen Bezug zu einer nahen Brücke. Das 'Schweitzerische Lexicon' von Hans Jacob Leu erwähnt 1750 einen 'Baurenhof' Bruppach, auch Hinter Weidenbach (= Nider Wydenbach) genannt. Im 17. Jahrhundert ist die Familie Bruppacher nachgewiesen auf diesem Bauernhof: Treichler, Hans Jakob, getraut mit Bruppacher Dorothea, vom hinderen Wydenbach [Staatsarchiv Zürich (E III 53.1, EDB 355), 18.04.1676]

Nach der Überlieferung führte ab 1230 der internationale Handelsweg zwischen Deutschland und Italien durch die nun kürzere Gotthardstrecke von der Sunft am See in Horgen als Saumweg zum Horgenberg über Morschwand, Wüeribach, Bruppacher (Wydenbach), Eschtürli, Zimmerberg auf die Hirzel Höhi und hinunter nach Dürrenmoos, Chalbisau, an Tobelmüli vorbei zum Sihlübergang auf der Babenwaagbrücke nach Sihlbrugg Dorf.

Im Bruppacher Horgenberg © wikipedia.org
Horgenberg Im Bruppacher


Der Stamm der Bruppacher


1333/34  Heinrich Brugbach ab Breitwil, Kittenmühle oberhalb von Erlenbach bei Zürich

1397  Ruodolf Brugpach von Breitwil

1417  Rudolf Bruggbach in Küsnacht bei Zürich

1500  ungefähr, Hans Bruggbach von Zumikon oberhalb von Küsnacht

Zürcher Wiedertäufer

Eine detaillierte Beschreibung schildert eine der ersten Taufen, die 1525 an Hans Bruggbach in Zollikon durch den 1527 hingerichteten Täufer Felix Manz vorgenommen wurde [→ Zürcher Reformation, Seite 284 (296/964)].

Dieser vermutlich um 1500 geborene Hans Bruppacher war ein Bäcker [Pfister] aus Zumikon oberhalb von Küsnacht. Er wirkte als Prediger und betätigte sich als Wieder-Täufer, wurde 1530 verhört [→ Täuferprozess, Seite 282 (294/964)]. Zog 1531 auf die andere Seeseite und starb später in Richterswil. Der Sohn von Hans könnte sein:

Peter Bruppacher *1527 in Zumikon, ∞ Margaretha Strickler *1530 in Richterswil

Anna Bruppacher *1.7.1548 im Hirzel, 1575 ∞ Rudolf Landis *17.9.1548
und

Rudolf Bruppacher *1540 in Wädenswil, 1565 ∞ Anna Wyss *1544
Peter Bruppacher *23.5.1566 in Wädenswil
Ulrich Bruppacher *1568 in Wädenswi, 1595 ∞ Barbara Hürlimann *1570
Anna Bruppacher *1570 in Wädenswil

Michael Bruppacher *7.2.1564 ∞ 1590 Verena Bollier *25.1.1568 vom Hirzel im Horgenberg

Peter Bruppacher *23.5.1566 in Wädenswil, 1594 ∞ Margaretha Nägeli *1574 Zürich
Peter Bruppacher *10.12.1596, 1621 ∞ Barbara Strehler †1622; 1623 ∞ Anna Pfister; 1661 ∞ Margaretha Strickler

Peter Bruppacher *10.12.1596 †1668 Ibersheim, 1623 ∞ Anna Pfister *1594 † 1639
Die zweite Frau von Peter Bruppacher, Anna Pfister, *1594 †1639, war von der Stocken im Wädenswilerberg und vermutlich [die Taufbücher von Wädenswil fehlen für 1570-1594] die Tochter des Täufers Werner [Werni] Pfister.

Nach der Überlieferung war Peter Bruppacher seit 1622 Täufer und ein bekannter Prediger. Er lebte im Weiler Spitzen im Hirzel von Horgenberg und die Täufer-Gemeinde traf sich in der Regel in seinem Haus. Am 3. Mai 1637 wurde er inhaftiert in Wädenswil mit Hans Landis und Jakob Rusterholz, der entkam. Danach wurde er in das Oetenbach genannte Gefängnis in Zürich gebracht, wo er mehr als 40 Wochen bleiben musste, bis er im Jahre 1638 floh mit zwölf anderen. Die Beamten von Wädenswil haben nach ihm gesucht, aber Peter Bruppacher kam nie zurück.

Die Mutter Anna und ihre drei Söhne im Alter von zwischen 9 und 13 Jahre blieben auf dem Bauernhof in Spitzen. Ihre Besitzungen im Wert von fast 10.000 Gulden waren beschlagnahmt. Anna starb 1639. Angeblich wurde am 6. Mai 1640 das Haus von Peter Bruppacher abgerissen, die Knechte und Mägde weggeschickt und die drei Kinder wurden nach Zürich gebracht um als Waisenkinder im Oetenbach erzogen zu werden. Alle Kosten für sie wurden aus dem beschlagnahmten Vermögen bezahlt. Danach erlernte Hans Heinrich das Glaserhandwerk in Richterwil. Im Jahre 1645 beendete Hans Heinrich seine Lehrzeit, und ein Jahr später begannen seine Brüder ihr Handwerk zu lernen. Peter wurde ein Schärer (Friseur) und Hans Jakob wurde zu einem Schuhmacher. Beide lernten in Männedorf und als ihre Ausbildung fertig war, begann ihre Zeit als Wandergesellen.

Peter Bruppacher war ins Elsass geflüchtet und lebte dort mit seiner dritten Frau, Margretha Strickler ab Harüti im Hirzel. Seine drei Söhne schlossen sich ihm wahrscheinlich im Elsass an im Jahre 1651. In Aufzeichnungen von 1661 wird berichtet, dass Peter und Margretha als auch sein Sohn Hans Jakob mit seiner Frau, einer Hiestand aus Richterswil und ihren beiden Kindern auf einem Bauernhof zwei Stunden von Worms in der Pfalz lebten. Sie waren als Teil einer Gruppe, die einen Pachtvertrag vom Kurfürsten der Pfalz erhalten hatte, aus dem Elsass nach Ibersheim umgesiedelt. Der dritte Sohn, Peter, der verheiratet war und Kinder hatte, war gestorben mittlerweile.

Auch der Sohn Hans Heinrich Bruppacher lebte 1661 in Ibersheim, als er mit seinem Bruder Hans Jakob einen Brief an den Kurfürsten Karl Ludwig schrieb zwecks anfordern seiner Fürbitten für die Aufnahme der Erbschaft ihrer Mutter Anna Pfister in Wädenswil. Sie waren nicht erfolgreich, weil die Behörden in Zürich verteilte Erbschaften nur an Personen unter Verzicht auf den Glauben der Täufer. Im Jahre 1663 reiste ein Sohn nach Zürich und beanspruchte sein Erbe ohne Glück, sondern erhielt nur 30 Gulden für Lebensmittel und die Reise. Im Jahre 1668 wurden 5000 Gulden des Bruppacher Vermögen endgültig konfisziert, weil der Vater Peter Bruppacher war in "Ungehorsam" gestorben.

Der Bauern-Aufstand von 1645 - 1646

Die Einführung einer neuen Vermögens-Steuer verstärkte die Unruhen auf der Zürcher Landschaft und führte schliesslich zum Widerstand. Der Aufstand war mit der Verhaftung aller Anführer durch die Obrigkeit beendet. Auch Hans Bruppacher von Wädenswil wurde zusammen mit anderen festgenommen [→ Geschichte der Unruhen, Seite 125 (133/160)]. Die meisten Anführer werden hingerichtet, Hans Bruppacher wurde als wenig 'malifiziös', als verführter Hitzkopf begnadigt, zu einer Busse und einer kurzen Haftstrafe verurteilt. Ein Kaspar Bruppacher, ebenfalls unter den Anführern, stellte sich nach seiner Flucht und wurde mit einer Busse bestraft.

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